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Farben aus der Natur

Lebensmittelfarbe ... Knetmasse ... Straßenmalkreide ... Körpermalfarbe ...

Material

  • wahlweise: 1 Blaukraut-Kopf, ½ kg Karotten, 1 Tasse Brombeeren, frische rote Rüben, 1 Tasse Beeren vom Schwarzen Holunder, 1 kg frischer Spinat
  • Wasserkocher
  • Gemüsereibe
  • feinmaschiges Sieb
  • Kartoffelstampfer
  • Esslöffel
  • altes Geschirrtuch
  • Topf mit Deckel
  • Schneidbrett und Messer
  • ev. Küchenmaschine oder Pürierstab
  • Natronpulver
  • Zitronensäure
  • Essig
  • Schraubgläser oder Flaschen zum Aufbewahren der Saftfarben

Durchführung

Aus Pflanzenteilen lässt sich meist ganz einfach Saftfarbe gewinnen.

Blaukraut

  • violett: Man schneidet das Blaukraut in feine Streifen und gibt es in einen Topf. Dann übergießt man es mit kochendem Wasser, so dass es gerade bedeckt ist und lässt es unter verschlossenem Deckel mindestens 30 min ziehen. Durch ein Sieb gegossen erhält man kräftig violette Saftfarbe, die sich verschlossen im Kühlschrank etwa 1-2 Wochen hält.
  • türkis: Mischt man 1-2 gehäufte Teelöffel Natron unter die violette Blaukraut-Saftfarbe, schlägt der Farbton nach türkis um.
  • rot: Mischt man ein paar Esslöffel Essig oder einen gehäuften Esslöffel Zitronensäure unter die violette Blaukraut-Saftfarbe, schlägt der Farbton nach rot um.

 

Rote Rüben

  • pink: Man viertelt die Roten Rüben und kocht sie in etwas Wasser (Dampfdruckkochtopf) weich. Die Rüben verwendet man wie gewohnt in der Küche weiter. Das intensiv pink gefärbte Kochwasser jedoch fängt man auf. Es hält sich verschlossen im Kühlschrank etwa 1-2 Wochen.

 

Brombeeren

  • rot-violett: Man zerstampft die Brombeeren mit einem Kartoffelstampfer oder Mörser und drückt den entstandenen Brei sodann mit einem Esslöffel durch ein feinmaschiges Sieb. Will man besonders klare Saftfarbe gewinnen, legt man das Sieb zuvor mit einem alten Geschirrtuch aus. Die kräftig rot-violette Saftfarbe hält sich verschlossen im Kühlschrank etwa eine Woche. Das ausgepresste Fruchtfleisch im Sieb schmeckt vermischt mit Joghurt und etwas Zucker ausgezeichnet zur Jause.

 

Spinat

  • hellgrün: Den Spinat ganz fein schneiden/hacken bzw. pürieren (ev. mit einer Küchenmaschine), ein paar Esslöffel Wasser dazugeben und sodann mit einem Löffel durch ein feinmaschiges Sieb drücken. Will man besonders klare Saftfarbe gewinnen, legt man das Sieb zuvor mit einem feuchten Geschirrtuch aus. Die gewonnene hellgrüne Saftfarbe hält sich verschlossen im Kühlschrank etwa eine Woche.

 

Karotten

  • orange: Die Karotten fein reiben, ein paar Esslöffel Wasser dazugeben und sodann mit einem Löffel durch ein feinmaschiges Sieb drücken. Will man besonders klare Saftfarbe gewinnen, legt man das Sieb zuvor mit einem feuchten Geschirrtuch aus. Die kräftig orange Saftfarbe hält sich verschlossen im Kühlschrank etwa eine Woche. Karottensaftfarbe ist nicht lichtecht. Unerwünschte Flecken in Kleidern lassen sich mit Hilfe von Sonnenlicht entfernen. Der Pressrückstand eignet sich hervorragend, um daraus Karottenkuchen zu backen oder vermischt mit geriebenem Apfel und etwas Joghurt als schmackhafte Rohkost.

 

Schwarzer Holunder

  • dunkel-violett: Man bedeckt die Beeren mit Wasser, kocht sie weich und zerstampft sie mit einem Kartoffelstampfer. Mit einem Löffel drückt man den Brei sodann durch ein feinmaschiges Sieb. Will man besonders klare Saftfarbe gewinnen, legt man das Sieb zuvor mit einem alten Geschirrtuch aus. Holunder färbt äußerst intensiv, es können auch Textilien nachhaltig eingefärbt werden (Schutzkleidung tragen). Die rohen Früchte des Schwarzen Holunders sind giftig! Erst gekocht sind sie essbar und dann sehr gesund.

 

Je nach gewünschter Intensität kann man die gewonnenen Saftfarben beliebig mit Wasser verdünnen. Will man Zeit und Mühen sparen, kann man Saftfarben auch auf Vorrat herstellen, in kleine Behälter füllen und diese problemlos tiefgefrieren.

 

 

Zum Einfärben von Lebensmitteln eignen sich besonders gut die aus Obst und Gemüse gewonnenen Saftfarben:

  • Marmorkuchen in Grün-Violett mit Zuckerglasur in Pink
  • selbstgebackene Brötchen oder Mürbteigkeks in Lila
  • selbstgemachte Zitronenlimonade in Orange oder Pink
  • bunte Topfencreme
  • bunte Eiswürfel
  • ...
  • oder einfach Leitungswasser oder Kräutertee bunt färben und ganz nebenbei das Mischen von Farben erleben und vertiefen

 

Zum Färben von Textilien (Baumwolle, Wolle, Seide) eignet sich besonders die Saftfarbe des Schwarzen Holunders. Auch Karotte, Rote Rübe und Blaukraut geben schöne Farben, durch Waschen verblassen die Farben aber rasch. Auch Knetmasse lässt sich sehr gut mit Saftfarben einfärben:

  • 40 dag Mehl
  • 14 dag Salz
  • 2 Esslöffel Zitronensäure
  • 6 Esslöffel Öl
  • 300-(400) ml heiße Saftfarbe

Alle trockenen Zutaten vermengen, Öl und Saftfarbe beifügen und alles gut verkneten. Luftdicht verschlossen und dunkel hält sich die Knetmasse im Kühlschrank mehrere Monate. 

 

Ganz leicht lassen sich auch Straßenmalkreiden herstellen:
Man rührt Gipspulver (z.B. Fugengips) mit Saftfarbe an. Die Konsistenz soll der eines festen Grießbreis entsprechen. Die Gipsmasse füllt man in die umgedrehten Böden von Eierkartons. Nach ein paar Tagen ist die Masse fest geworden. Man kann nun die fertigen Kreiden aus den Kartonformen schälen. Durch die kegelförmige Gestalt liegen die Straßenmalkreiden auch bei jüngeren Kindern besonders gut in der Hand.

 

Gerade in den Sommermonaten ist selbstgemachte Körpermalfarbe sehr beliebt:
Man vermengt Saftfarbe mit Speisestärke, sodass sich der dickliche Brei noch gut rühren lässt und trägt das Ganze am besten mit den Fingern am Körper auf. Die Konsistenz ist etwas eigenwillig, dadurch aber umso faszinierender. Die Farbe trocknet am Körper schnell und haftet dann gut. Alternativ erhält man auch gute Körpermalfarbe wenn man Mehl mit Saftfarbe anrührt und aufkocht (siehe auch Versuch 13 "Der Mehl-Kleber"). Nach dem Trocknen erscheint die Farben pastellig. Mit Öl bestrichen wird sie wieder dunkel und glänzend und spannt nicht auf der Haut.

 

Erklärung

 

Das Herauslösen der Saftfarbe aus den Pflanzenteilen bezeichnet man als Extraktion. Wasser dient hierbei als Lösungsmittel. Eine besondere Eigenschaft hat Blaukrautsaft. Er ist ein Indikator (=Anzeiger) und zeigt durch Änderung seiner Farbe an, ob ein Stoff basisch (pH-Wert größer als 7) oder sauer (pH-Wert kleiner als 7) ist. Natron beispielsweise ist basisch, der Blaukrautsaft färbt sich türkis. Würde man stark basisches Spülmaschinenmittel zum Blaukrautsaft mischen, schlägt der Farbton in Gelb-Grün um, ein Beweis, dass das Mittel eine extrem starke Lauge (ätzend!) ist. Hingegen sind Essig und Zitronensäure sauer, das zeigt der deutliche Farbumschlag nach Rot.
Beim Anrühren größerer Mengen Gips mit Saftfarbe kann man eine Erwärmung des Ansatzes feststellen. Es handelt sich um eine chemische Reaktion. Das beim Brennen des Gipses verdunstete Wasser wird hier wieder zugeführt, dabei wird Energie frei, die in Form von Wärme spürbar wird.

 

Quelle:
Riedler Elisabeth